Interview mit Alex Diehl zum Album “Laut”

Ich hatte die Möglichkeit mit Alex Diehl über sein heute erscheinendes Album „Laut“ zu sprechen. Ich sage vorneweg, es war ein sehr ehrliches und tolles Interview!

SW: Wie viele Fotos mussten gemacht werden um das ausdrucksstarke Cover-Foto zu erhalten?

Alex:  Ehrlich gesagt war dies ein Zufallsbild. Bei meinen Studioaufnahmen und Liveshows/Videodrehs habe ich immer einen begleitenden Fotografen dabei. Bei den Aufnahmen zu dem Album habe ich die Stelle „Alles was du brauchst gesungen“ und dabei werde ich sehr laut und das war genau der Moment wo ich diesen Gesichtsausdruck hatte.

SW: Für ein Zufallsbild ist es aber echt genial!

Wie hat sich der Schreibprozess zu deinem Album gestaltet?

Alex: Das Album ist während meiner langen Krankheit entstanden, in der ich nicht ein- oder aus wusste, da ich extreme Schmerzen an den Stimmbändern hatte und somit keine Konzerte spielen konnte. Mir konnte kein Arzt erklären woher meine Schmerzen kommen, noch das Problem lösen, Gleichzeitig war meine Lebensgefährtin an Diabetes Typ 1 erkrankt, sodass es zwischendurch so kritisch wurde, dass ihr Leben bedroht war und ich von Glück reden konnte, dass ich vor Ort war.

Rückblickend könnte es auch ein Warnsignal von meinem Körper gewesen sein, dass sie zeitnah meine Hilfe braucht und ich nicht aus dem Haus gehen soll.

 SW: Freut mich dass es euch wieder besser geht und ihr diese schwere Zeit überstanden habt!

Die Songs habe ich alle in 60 min geschrieben, zunächst ohne Gesang nur mit summen am Klavier oder der Gitarre. Es ist das erste Album bei dem ich keine Co-Schreiber o.Ä. hatte.  Ich neige dazu meine Songs zu hinterfragen, sie besser aufeinander abzustimmen wie bspw. Herbert Grönemeyer, doch bei diesen Songs habe ich mir gesagt ich lasse sie so wie sie sind.

Ich konnte erst die Songs schreiben nachdem ich die Blockade der Schmerzen und der Angst (Sorge um meine Freundin) durchbrochen habe und mich entspannt habe, quasi der Nichtkontrolle hingegeben habe.

Das Album soll genau das transportieren. Den Hoffnungsschimmer, dass nach einer schlechten Zeit auch alles wieder hell wird und man lernt damit umzugehen. Es ist wie wenn du draußen bist und die Sonne dich von hinten anscheint, hinten hast du Sonne aber trotzdem vorne den Schatten, du kannst jetzt nur links und rechts schauen und den Schatten ignorieren oder ihn akzeptieren, was nicht gleichzusetzen ist mit Aufgeben. 

Zum Song Angst: diesen habe ich am PC geschrieben und mich selber auf dem Monitor gesehen. Ich habe mich angeschrien „Ich habe keine Angst vor dir“ um mir Mut zu machen.

Bei meinem Album hat jeder Song eine Message, es ist aus dem Leben und ich freue mich umso mehr wenn das Publikum/ die Zuhörer auch echte Emotionen zeigen.
Ein Beispiel: Ich habe auf meinen letzten Konzerten den Song „Silvester“ gespielt, in dem es um den Tod eines geliebten Menschen geht, in Mannheim machte ich meine Augen auf und der halbe Saal war leer. Ich fragte mich wieso, nach dem Konzert sagten sie mir, dass sie nicht vor anderen Menschen weinen wollten.

SW: Das ist echt krass, aber auch schön zu hören, denn genau diese Emotionen machen das Konzert aus wenn man emotional von einem Song berührt wird und seinen Gefühlen freien Lauf lässt.

Auf Instagram habe ich gesehen, dass du „Lauf gesagt“, Track-by-Track besprochen hast, wie ist es dazu gekommen?

Alex: Ich habe einen Freund, der Radiomoderator ist und dieser wollte mit mir gerne eine CD Besprechung machen. Also lud ich ihn in mein Haus ein und wir nahmen uns einen Tag Zeit, er baute seine Videokameras auf und hatte sich echt gut vorbereitet und so entstand das lustig-lockere Gespräch über mein Album „Laut“.

SW: Auf jeden Fall eine tolle Idee!

Du hast dein eigenes Plattenlabel gegründet, nach allem was passiert ist, würdest du es rückwirkend immer noch so machen?

Alex: Auf jeden Fall! Ich habe jeden Cent ins Album gesteckt, weil es mir wichtig ist, dass das Album so ist wie ich es mir vorstelle. Außerdem im September konnte ja noch keiner ahnen wie sich dieses Jahr entwickelt.

SW: Wo wir gerade bei Corona sind, ich habe gesehen, du hast dein Merchandise angepasst, wie ist das Feedback?

Alex: Das ist eigentlich eine tolle Geste meiner Schwiegermutter und der Freundin, sie haben diese Masken selbst genäht und die Tassen bedruckt. Sie haben diese für mich gesponsert damit ich diese auf den Konzerten verkaufen kann um meine leere Kasse zu füllen.

SW: Das ist aber toll, dass die Masken sogar handmade sind!

Wie hat sich dein Umgang mit social media aufgrund der Krise geändert?

Alex: Ist natürlich mehr geworden, bspw. dieses Interview hier per Skype, davon hatte ich heute schon ein paar, sowie Phoner etc. Aber ehrlich sind mir persönliche Gespräche lieber, klar hat es auch was mit Kosten zu tun die ich aktuell spare aber trotzdem.

SW: Lieben Dank für das tolle Interview!

Euch hat das Interview gefallen? Eine Rezension zum Album veröffentlichen wir auch noch!

Das reicht euch noch immer nicht? Dann auf zu einem der wenigen Konzerte von Alex Diehl:

04.09.20 – Frankfurt/M. @ Batschkapp 

15.09.20 – München @ Backstage

19.09.20 – Wolfsburg @ Schwimmbad Biergarten *Eintritt frei*

16.10.20 – Magdeburg @ Festung Mark

17.10.20 – Leipzig @ Kupfersaal

23.10.20 – Oberhausen @ Kulttempel

13.11.20 – Memmingen @ Kaminwerk

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