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Filmrezension – Willkommen bei den Hartmanns

Die Familie Hartmann

Angelika Hartmanns (Senta Berger) Leben steht Kopf, ihre Familie hat kein Interesse mehr an ihr: Ihr Ehemann Richard (Heiner Lauterbach) ist besorgt um seine Altersanzeichen, ihre Tochter Sophie (Palina Rojinski) weiß selber noch nicht so richtig, was sie mit Anfang 30 will und hat auch im dritten Studium noch nicht die Erfüllung gefunden. Ihr Sohn Philipp (Florian David Fitz) hat nur Augen für seine Karriere und muss sich gleichzeitig um die Scheidung und den Enkel Basti (Marinus Hohmann) kümmern. Alle Figuren sind stark überzeichnet, dahinter verbergen sich aber reale Positionen.
Durch die Pensionierung der ehemaligen Schulleiterin ist ihr Leben von großer Leere erfüllt und ein Helferwunsch breitet sich immer weiter aus.

Satirische Komödie über Flüchtlingsdebatte

Durch all den Trubel kommt Angelika eine hervorragende Idee: Man kann sich doch für Flüchtlinge einsetzen, davon gibt es doch zahlreiche in München?! Und aus dieser Idee wurde Wirklichkeit. So zieht nur kurze Zeit später der aus Afrika stammende Diallo (Eric Kabongo) mit ins Haus ein, doch so einfach, wie sich die typisch deutsche Familie das Zusammenleben mit ihrem ausländischen Gast vorgestellt hatte, gestaltet es sich nicht, so prallen zwei Kulturen aufeinander. Diallo mischt den Wohlstand der oberen Mittelklasse Münchens auf. Einen 1-A-Vorzeigeflüchtling haben sich die Hartmanns geangelt, dessen Aufgabe darin besteht, den Garten noch blühender und das Leben der Alteingesessenen besser zu machen.

Der Afrikaner erweist sich als freundlicher junger Mann, was allerdings nicht verhindern kann, dass die ganze Umwelt der Hartmanns aufgrund seiner bloßen Anwesenheit durchzudrehen scheint.

So durchlebt die Familie die ungewohnte Situation in ihrem Haus lauter Wirrungen und Turbulenzen – da geht es den Hartmanns wie dem Rest des Landes.

Damit wendet sich Simon Verhoeven als Drehbuchautor und Regisseur dem Thema der Flüchtlingsproblematik zu. Bei diesem Thema vergeht im Lande vielen Leuten das Lachen, aber das ist vielleicht genau der richtige Ansatzpunkt für eine Komödie.

So gestaltet er mit der übermotivierten Flüchtlingsaktivistin Ulrike Kriener oder anderen Helfern mit satirischen Spitzen und der Kritik aus Furcht vor Reaktionen immer politisch korrekt zu sein. Diese Richtung ist nur eine von vielen die in Willkommen bei den Hartmanns mit Humor behandelt wird.

So beginnt der erste Teil des Filmes mit nur witzigen Stellen und probiert alles aus, um jedem Humor zu entsprechen. Von billigen Klamauk, verkörpert durch Uwe Ochsenknecht als schrillen und anstrengenden Schönheitschirurgen, bis zur Romanze mit Elyas M’Barek und den wunderbarsten Momenten von Senta Berger, der Mutter von Verhoeven.

Es treten einige unangenehm wirkende Szenen zu einschleichender Musik über die Geschichte Diallos oder Anspielungen an die verkrampften Deutschen, ihre Werte zu verteidigen, auf. An anderen Stellen wird der Film von Popmusik unterlegt, wenn mal niemand etwas sagt.

Durch den vielfältigen Humor scheint es, als wisse der Film nicht so richtig, worüber er reden soll. Die Flüchtlingsproblematik ist zwischendurch wie vom Tisch gekehrt, weil dann nur die Familie Hartmann an sich mit ihren persönlichen Konflikten betrachtet wird. So wird durch den Nigerianer das sehr viel nähere Familienchaos und deren Problemperspektive beleuchtet. In den Zeitpunkten werden die Figuren an sich mehr betrachtet, als die eigentliche Handlung insgesamt, doch genau dieses gibt dem Film eine eigene Identität.

Nun stellt sich die Frage: Ist es wirklich notwendig eine Komödie zu entwerfen, die die Familie gegenüber der Arbeit betont? Denn man will vor allem eins: Geld verdienen.

Die Orientierungslosigkeit in Deutschland bricht aus, wenn das Weltbild nicht mehr so sauber sortiert ist, von der Nachbarin mit polnischen Namen hin zur friedensbewegten Hippie-Frau, dabei werden alle Seiten aufs Korn genommen: Helfer, Nazis, Flüchtlinge.

So verhilft der Film den Deutschen zur Selbstfindung und lässt Raum für die Flüchtlingspolitik.

Fazit zu „Willkommen bei den Hartmanns“

Der Film ist zwar auf ein breites Publikum ausgelegt, kann es aber nicht allen recht machen. Die widersprüchlichen emotionalen Lebenszustände werden mittendrin betrachtet und zugleich prallen deutsche Luxusprobleme und Flüchtlingsschicksale aufeinander, ohne moralische Wertvorstellungen und politischen Einwürfen, sondern mit Leichtigkeit. Schnelle Pointen und politische Verhältnisse lenken zu politischen-inkorrekten Mitgefühl und Ignoranz in der Willkommenskultur. Ein guter Film mit witzigen aber auch recht klischeehaften Szenen, teils übertrieben albern umgesetzt. Gags werden nicht ausgewalzt, politische Fensterreden – fast – gar nicht gehalten.

Selbst wenn der Film buntgemischt von bissigen oder klamaukigen Momenten geprägt ist und nicht nur über die Flüchtlingsdebatte berichtet, sondern auch die verzogene Familie Hartmann, sowie positiver und politischer Satire zeigt, bleibt der Film durch die unzähligen angesprochenen Themen mit einigen Kompromisse wie das kitschige Happy-end nur Massenkino.

Erhältlich online oder auf Blu-Ray und DVD

Alternativ zu Blue-Ray oder DVD, kann man bei einer Laufzeit von 1 Stunde und 56 Minuten den Film auch entspannt über eine Beamer Leinwand anschauen, um so noch mehr Kinofeeling zu bekommen.

 

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